Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde der Kunst!

 

BLAU WIE EINE ORANGE - so lautet der Titel der heutigen Ausstellung; ein passender Titel für eine Ausstellung, die im Februar eröffnet wird. Blau ist es draußen nicht, aber Orangenzeit ist noch. In der Ausstellung geht es aber nicht um Früchte, sondern um Farben - oder auch um mehr?

 

Ganz herzlich begrüßen möchte ich Sie und die zwei ausstellenden Künstlerinnen und einen Kunstler:

 

Sergej Fuchs, geboren in Rußland und seit Anfang der 1990er Jahre in Marburg, Elisabeth Sabo, gebürtige Ungarin und seit Anfang der 1980er Jahre in Marburg und Lisa Kreuziger, geboren in Deutschland, seit ihrer Rückkehr aus den USA mit den Lebensmittelpunkten in London und Marburg.

 

Lisa Kreuziger schreibt zum Titel der Ausstellung BLAU WIE EINE ORANGE Folgendes: "Farbe ist eine Empfindung. Sie ist nicht lediglich ein physikalischer oder bio-chemischer Prozess des Auges, sondern eine raum-, kontext- und subjektbezogene Sinneswahrnehmung, also ein komplexes Vorstellungserlebnis." (aus Lisa Kreuziger, Zum Titel der Ausstellung, 2014)

 

Wohl wahr! Also doch blaue Orangen?

(...)

Als ich vor wenigen Tagen in die GeWo Galerie kam zwecks Vorbesichtigung, dachte ich mir, als ich Lisa Kreuzigers Bilder sah: das knallt! Nein, nicht das angekündigte Blau auf der Einladungskarte nahm mich gefangen, sondern ihr Gelb - die dem Blau entgegengesetzte Komplementärfarbe.

 

Lisa Kreuzigers Arbeiten sind bar jeglicher Gegenständlichkeit. Sie arbeitet mit expressiven Farben und wählt passend dazu häufig den Spachtel als Arbeitsgerät. Manchmal zeichnen sich ihre Arbeiten aber auch durch expressive Pinselführung aus.

 

Die Künstlerin fordert geradezu heraus, mit ihr neue Wege zu gehen, neue Felder zu eröffnen und neue Pfade der Wahrnehmung zu generieren. Sie führt uns in ihre Gedanken- und Erlebniswelten, die jenseits der derzeitigen grauen Stimmung liegen.

 

Sie zeigt vier Serien in der Ausstellung, eine davon, die den Titel "SunCity" trägt, springt einen an. Doch Vorsicht - es ist keineswegs die Sonne, die auf den Bildern scheint, und es ist auch nicht das vermeintliche Licht, das diese verströmt. Es ist eher die Sehnsucht nach und die Erinnerung an die nicht mehr vorhandenen lichtdurchfluteten Räume - an ganze Städte, die sie während ihres zweijährigen USA-Aufenthaltes intensive erlebte.

Das Licht und das Leben Kaliforniens hat sich in übertragener Weise nach Marburg in den Pilgrimstein (Sitz der GeWo Galerie) - Gott sei Dank muss man sagen - verirrt.

 

Farbe ist nur eine von vielen Informationen, die unsere Wahrnehmung beeinflussen, schreibt die Künstlerin sinngemäß. Bei ihr sind es die Farben in ihrer Klarheit, die Flächen und Linien, die diese beeinflussen und gleichsam ein Eigenleben führen.

 

Die Künstlerin braucht immer zunächst ein theoretisches Konstrukt, dem die Abstraktion im Kopf und dann auf der Leinwand folgt. Sie denkt und arbeitet in Serien, holt scheinbar alles aus ihnen heraus, erleuchtet jeden Winkel des theoretischen Ansatzes, ehe eine Komposition in verschiedenen Ausarbeitungen entsteht.

 

Farben oder Linien allein wird man bei ihr kaum finden; es geht immer um das Zusammenspiel und sie meistert die Herausforderung der Interaktion der Einzelelemente. Und doch gibt es sicherlich im künstlerischen Prozess auch immer nicht geplante Überraschungen und Erforschungen mit ungeahntem Ausgang. Eine Dynamik, die jedem Prozess innewohnt.

 

Bei ihrer Serie "SunCity" scheinen architektonische Elemente durch; sie sind teils bestimmend, teils zurückhaltend, Räume entstehen durch die Betrachtung und nehmen sich doch wieder zurück. Aber allem ist eines gemeinsam, sei es die gelbe Serie "SunCity" oder die rote "Connected", die blaue Serie "Qunitessentially Blue" oder die schwarze "Against the Sky and Beyond": es ist die Faszination der Künsterlin, Gedankengänge, Erlebnisse und Wahrnehmungen in abstrahierte Kompositionen umzusetzen. Das reizt sie und das erreicht sie.

 

Sie arbeitet gerne in Schüben, voller Energie für eine Sache, sagt sie. Lassen Sie sich einmal auf die Arbeiten ein. Sie werden bei manchem Bild merken, das ist "sehr Kreuziger" - nichts dem Zufall überlassen, alles bewußt und streng komponiert und es kommt trotzdem - oder gerade deswegen - in einer ungeheuren Leichtigkeit daher. Kompliment!

 

Zum Abschluss möchte ich noch gerne erwähnen, dass sowohl Lisa Kreuziger, Elisabeth Sabo also auch Sergej Fuchs Mitglieder der KUEV- Künstlervereinigung Marburg-Biedenkopf sind.

 

Karin Stichnothe-Botschafter

24. Januar 2014

GeWo Galerie Marburg